16. März 2024

Rundbrief März 2024

Liebe Leserinnen und Leser,
Liebe Haiti-Freunde,

die Ereignisse überschlagen sich und Haiti ist zurzeit in unseren Nachrichten allgegenwärtig. Von der schon länger geplanten kenianischen Polizeimission über den Zusammenschluss ehemals konkurrierender Banden bis hin zu Ariel Henrys erzwungenem Rücktritt gibt es zurzeit fast täglich Neuigkeiten, aber selten Gute. Wie wenig Rückhalt Henry hat, wird gerade daran deutlich, dass er nicht mehr in sein eigenes Land einreisen kann. Dass ihm inzwischen kaum jemand mehr traut, die politische Krise zu lösen, liegt auch daran, dass er seit inzwischen fast drei Jahren die mehrfach versprochenen Neuwahlen verschleppt.

Die gegenwärtige Situation in Haiti hat viele Faktoren und viele haben mit der Kolonialzeit und den Interessen globaler Player wie z.B. den USA und Frankreich zu tun – davon wird nun auch häufiger berichtet. Die Geschichte der internationalen Einmischung ist lang und unrühmlich, das herausragendste Beispiel der jüngeren Vergangenheit ist die verheerende Cholera-Epidemie, die UN-Blauhelmsoldaten 2010 im Land auslösten. Auch jetzt warnen Expert:innen davor, dem Karibikstaat eine Lösung quasi von außen überzustülpen. Viele Beiträge, Interviews und Hintergrundinfos finden sich z.B. auf Tagesschau oder der Deutschen Welle.

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Neues von Anneliese

Doch wie geht es Anneliese in diesem Chaos?

In den 44 Jahren, die sie nun in Haiti ist, hat sie viel erlebt. Doch so schlimm eskaliert ist es noch nie, sagt sie.

Dennoch: Das Chaos findet vor allem in der in der Hauptstadt statt. In Meyer an der Schule laufen zurzeit die Abschlussprüfungen ohne Probleme. Der Schulbetrieb ist nur insofern eingeschränkt, um Raum zu schaffen, damit alle Schülerinnen und Schüler die Prüfungen ablegen können. Ende März beginnen dann die Osterferien.

Sie schreibt:

Die übrigen Provinzstädte [abgesehen von Port-au-Prince und der Region Arbonite, Anm. J.L.G.] sind jedoch bisher von der Gewalt in der Hauptstadt relativ verschont geblieben. Die Stadt Grand-Goâve zum Beispiel ist nicht direkt von der Krise betroffen. Wir leben weit entfernt von den katastrophalen Ereignissen und leiden unter deren Auswirkungen vor allem auf wirtschaftlicher Ebene. (…)

Unsere Kinder lernen und gedeihen weiterhin in einem günstigen Umfeld und für ihr Lernen. Wir danken dem Herrn, der uns in diesen schwierigen Zeiten, in denen es so viele unglückliche Ereignisse gibt, behütet und beschützt.

Auch die Schulspeisung war bisher möglich: Bohnen, Reis und Fischpaste sind vorhanden und reichen noch für ca. vier Wochen; Gas zum Kochen ist da.

Im Februar hat für die Abiturklasse das traditionelle Philosophie-Seminar zu Thomas von Aquin stattgefunden, anschließend gab es ein Zusammensein mit Eltern und Lehrern im Medienraum der Schule. Und im Herbst steht ein Jubiläum an: Die ECODEM wird im Oktober 35 Jahre alt – wir werden berichten.

Die Hauptstadt Port-au-Prince jedoch ist zurzeit wie eine andere Welt. Über die Lehrerinnen und Lehrer hat Anneliese Bezug zu dem, was in der Hauptstadt passiert und es gibt fast niemanden, der nicht jemanden kennt, der direkt betroffen ist. Für Anneliese ist es zurzeit schlicht nicht möglich, in die Hauptstadt zu kommen. Viele Botschaften wurden bereits evakuiert und auch der deutsche Botschafter ist vorerst in die Dominikanische Republik ausgereist. Die Maxime für die noch verbliebenen ausländischen Bürger ist, sich ruhig zu verhalten, öffentliches Erscheinen zu vermeiden und möglichst nicht aufzufallen. Daran hält sich auch
Anneliese.

Dass Anneliese so vielen Mitmenschen wichtig ist, sehen wir an den vielen Anfragen zu ihrem Wohlergehen. Dafür sowie für die Gebete und die guten Wünsche ein herzliches Dankeschön.

Ihnen und euch herzlichen Dank für das ungebrochene Interesse an Haiti und seinen Bewohner:innen, alles Gute und ein Frohes
Osterfest wünscht

Thomas Wiedmann
1. Vorsitzender

Text und Redaktion: Janina Lea Gutmann