9. Januar 2025

Rundbrief Dezember 2024

Liebe Leserinnen und Leser,

Liebe Haiti-Freunde,

das Jahr neigt sich dem Ende zu. Politisch hat sich in Haiti zwar einiges getan – Premierminister Ariel Henry wurde im April 2024 von einem Übergangsrat abgelöst, der die jahrelang verzögerten Wahlen in Haiti organisieren soll.

Doch für die Bevölkerung hat sich wenig geändert – die Bandengewalt grassiert nach wie vor nahezu ohne Einschränkung, es gibt zahlreiche traurige Rekorde, was die Zahl der Toten und Vertriebenen angeht. Die kenianische Schutztruppe, die von der UN autorisiert wurde und die lokale haitianische Polizei unterstützen soll, ist inzwischen im Land, jedoch nur mit wenigen hundert Mann. Ihre Wirksamkeit und ihre Erfolgsaussichten sind auch unter Haitianer:innen umstritten.

Welche Auswirkungen die Wahl von Donald Trump auf Haiti
haben wird, ist noch nicht absehbar. Doch es ist sehr wahrscheinlich, dass es keine guten sind.

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35 Jahre ECODEM

Dieses Jahr wurde ECODEM 35 Jahre alt. Schulleiter Silien Blindy hat im Juni zu diesem Anlass einen Bericht verfasst, der ebenfalls hier auf der Homepage veröffentlicht ist.

Hier werfen wir noch einmal einen Blick auf die Anfänge des Schulprojekts, der zeigt, wie viel in 35 Jahren erreicht wurde. Zum Beispiel auf dem Bau. Trotz herber Rückschläge, wie z.B. dem verheerenden Erdbeben 2010, entstanden hier nach und nach die heutigen mehrstöckigen Schulgebäude.

Auch die Schulspeisung hat eine enorme Entwicklung genommen: Zu Beginn gab es einmal am Tag ein Stück Brot. Später wurde ein Reis-und-Bohnen-Gericht auf Holzfeuer gekocht. Dank regelmäßiger Spendengelder konnte die Speisung professionalisiert und auch qualitativ verbessert werden. Inzwischen gibt es, natürlich abhängig von der lokalen Verfügbarkeit, ein Reisgericht mit Gemüse, das täglich in riesigen Töpfen in der Küche in Annelieses Hof zubereitet wird.

Neues von Anneliese

Anneliese hat im November aus Meyer berichtet. Die Lage in der Hauptstadt betrifft sie insofern, als dass Ware aus Port-au-Prince durch die blockierten Straßen gar nicht oder erst spät ankommt. Der Stoff für die Schuluniformen etwa kam erst Ende September an, statt wie vorgesehen im Juli.

Außerdem hat es viel geregnet in letzter Zeit. Sie schreibt: „Von Überschwemmungen sind wir im Gegensatz zu Nord und Süd [des Landes] verschont geblieben. Über Schlamm brauchen wir uns allerdings nicht beklagen. Die Erde ist aufgeweicht und gibt reichlich an Wege und Pfade ab. Mancher Motorradfahrer rutscht ab.“ Dazu muss man wissen, dass Motorräder das häufigste Fortbewegungsmittel auf den Wegen durch die bergige Landschaft sind.

Die Lage auf dem Lebensmittelmarkt ist angespannt. Die Preise sind hoch und einige Waren, wie z.B. Trockenfisch oder Wurst, sind laut Anneliese landesweit faktisch nicht zu bekommen. Die Schulspeisung muss zurzeit ausfallen, da es kein Gas zum
Kochen gibt. Das geht jedoch nicht nur Anneliese so, auch in den umliegenden Schulen bleiben die Gasherde aus.

Der Unterricht findet natürlich trotzdem statt. „Wir haben Schulbetrieb, viel Regen, keine Aussicht auf Besserung und machen dennoch weiter“, fasst Anneliese die Situation zusammen. Und genau das macht wahrscheinlich den Erfolg der ECODEM seit über 30 Jahren aus – weitermachen, dranbleiben, komme was wolle. Und zwar auf beiden Seiten des Atlantiks: So wie Anneliese in Haiti unermüdlich weitermacht, wird auch in Deutschland durch Sie und Euch, liebe Spenderinnen und Spender, ebenso unermüdlich dazu beigetragen, dass in Meyer „weitergemacht“ werden kann. Dafür danken wir Ihnen und euch von Herzen!

Wir wünschen Ihnen und Euch eine schöne Adventszeit und
ein frohes Weihnachtsfest und freuen uns, wenn Sie Anneliese und die Menschen in Haiti auch in dieser Zeit in Ihren Gedanken und Gebeten behalten.

Thomas Wiedmann
1. Vorsitzender

Text & Redaktion: Janina Lea Gutmann