Rundbrief Mai 2026
Liebe Leserinnen und Leser,
Liebe Haiti-Freunde,
im Februar dieses Jahres endete das Mandat des sogenannten „Präsidialen Übergangsrats“, der im März 2024 gegründet wurde, um die politische Krise Haitis zu überwinden und Neuwahlen zu organisieren. Das auf zwei Jahre ausgelegte Mandat ist nun ausgelaufen, von Neuwahlen ist Haiti jedoch noch immer weit entfernt. Premierminister ist nun Alix Didier Fils-Aimé, der vor allem von den USA und der EU Unterstützung erfährt. Die haitianische Gesellschaft, so schreibt mir Silien Blindy, ist „vor allem mit Unsicherheit, Hunger und dem Überleben beschäftigt.“
Die Hauptstadt wird weiterhin in großen Teilen von Banden regiert, was die Beschaffung von Lebensmitteln und Gas zum Kochen erschwert. Doch damit haben Anneliese und ihre Mitarbeitende inzwischen Erfahrung und sorgen wo es geht für Nachschub und auch für Vorräte, auf die sie zurückgreifen können.
An anderer Stelle stehen Reparaturen an: Für die Küche und das Vorratslager müsste, sobald der Dauerregen endet, das undicht gewordene Dach neu gedeckt werden. Auch das Wellblech-Schuldach benötigt mittelfristig eine Reparatur. Abseits der täglichen Arbeiten geht es Anneliese aber auch in einer neuen Rolle gut, wie sie in einem Brief an alle schreibt:
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Gruß von Anneliese
Meine Lieben!
Bei Lesen eines Buches stieß ich auf folgende Aussage: „Vier Dinge kommen im Leben nicht mehr zurück: Die Tage, die du gelebt hast, die Erfahrungen, die du gemacht hast, die Worte, die du benutzt hast, die Chancen, die du verpasst hast.“
Die Tage, welche ich gelebt habe, waren gut, abwechslungsreich und werden bzw. sind noch viele. Das „Rentenalter“ hat Einzug gehalten. Die Frage ist: Was soll aus alldem, was geworden ist, auch zukünftig werden? Der Tod eines Gemeinde- und Schulleiters von einem Nachbarort hat mich überzeugt, dass es bei mir nicht so sein darf, wie bei ihm: Alles, was er aufgebaut hatte, wurde durch sein Ableben zunichte gemacht. Denn er hatte leider die wertvollen Erfahrungen, die er im Leben gemacht hatte, nicht weiter gegeben.
Vor vier Jahren habe ich deshalb die Verantwortung abgegeben und in kompetente Hände gelegt. Die „Troika“, wie ich sie nenne, wird von Silien Blindy als Hauptverantwortlichem geführt. Als
Administrator [Verwalter] fungiert Mackensy Hippolite. Und die Bankgeschäfte und Einkäufe für die Schulspeisung sind bei Emmanuel Fils in guten Händen. Für alle, die den Rundbrief regelmäßig lesen, sind alle drei keine Unbekannten. Bis heute halte ich den Kontakt nach Deutschland und erledige das Finanzielle für die Foundation e.V., doch die Hauptverantwortung bin ich los. Die drei Kirchengemeinden in Meyer, Gerard und Morin werden inzwischen von Einheimischen betreut. Die Bilder [vom Kindertag] zeigen, es fehlt nicht an Nachwuchs.
So bleibt mir nur noch das Däumchen drehen? Oh, nein, mir schlug sich ein neues Kapitel auf. Ich darf die Freuden einer Oma genießen, denn Dan, der 21 Monate alte Sohn von Blindy, hat mich dafür auserkoren. „Ayis“ („Annelies“) hinten und vorne, Tag und Nacht. Diese Chance lasse ich mir nicht entgehen!
Mit einem herzlichen vergelt’s Gott für alles möchte ich mich für diesmal verabschieden. Bis bald wieder einmal!
Eure Anneliese
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Wir bedanken uns wie immer ebenfalls für Ihre und Eure Treue und das anhaltende Interesse an Haiti und der Foundation e.V. Mit den besten Wünschen für einen guten Sommer,
Thomas Wiedmann
1. Vorsitzender
Text: J.L. Gutmann
