12. Januar 2026

Rundbrief Dezember 2025

Liebe Leserinnen und Leser,

Liebe Haiti-Freunde,

„verheerend“, „zerstörerisch“, „historisch“ – Sie und ihr alle habt die Nachrichten zu dem Hurrikan, der Ende Oktober in der Karibik an Land traf, sicher verfolgt. Als Hurrikan der höchsten Gefahrenstufe 5 gilt er als einer der stärksten jemals im Atlantik gemessenen Wirbelstürme.

Auch in Haiti hat er viel Zerstörung hinterlassen, landesweit starben über 30 Menschen.
Das Zentrum der Zerstörung lag diesmal – anders, als bei den Katastrophen der vergangenen Jahre – mit Petit-Goâve gar nicht so weit von Meyer entfernt. Glücklicherweise gab es dort keine Todesopfer zu beklagen. Doch von den unmittelbaren Auswirkungen für die Menschen in und um Meyer und auch für die Schüler:innen der ECODEM berichtet deren Leiter Silien Blindy mit einem Brief vom 19. November, den wir hier in Auszügen abdrucken.

Bericht von Silien Blindy zur Situation in Haiti

Mit einem etwas traurigen Herzen möchten wir euch über die derzeitige Situation unserer Gemeinschaft informieren. Zunächst danken wir Gott, der uns vor den größten politischen und gesellschaftlichen Katastrophen bewahrt und weiterhin Tag für Tag für uns sorgt.

Zu Beginn des Schuljahres hat der Wirbelsturm Mélissa unsere Region mit unerwarteter Wucht getroffen und ein ohnehin fragiles Gleichgewicht auf dramatische Weise erschüttert. Die Felder wurden überflutet oder von den Winden zerstört, die Ernten fast vollständig vernichtet, und viele Familien – die bereits zuvor von Tag zu Tag lebten – stehen heute mittellos da. In manchen Häusern gibt es schlichtweg keine Lebensmittelvorräte mehr.

Diese Realität zeigt sich jeden Morgen in den Augen der Kinder: Müdigkeit, Energieverlust, Konzentrationsschwierigkeiten, manchmal sogar Schwindel zu Beginn des Tages. Einige kommen zur Schule, ohne etwas gegessen zu haben, andere mit einer unzureichenden Mahlzeit, die für den ganzen Vormittag nicht ausreicht. Die Lehrkräfte, die sehr sensibel auf die wachsende Not ihrer Schülerinnen und Schüler reagieren, berichten von einer deutlichen Zunahme von Apathie, Gereiztheit und verlangsamtem Lernen.

Leider ist der Wirbelsturm nicht die einzige Katastrophe, mit der sich das Land konfrontiert sieht. Auch die weltpolitische Lage hat direkten Einfluss auf die Menschen vor Ort. Seit Donald Trump die US-Hilfsorganisation US AID abgeschafft hat, gibt es massive Schwierigkeiten mit der Lebensmittelversorgung im Land. Auch diese schlagen sich in den Erfahrungen vor Ort nieder, wie Blindy weiter schreibt:

Hinzu kommt leider, dass wir nicht mehr in der Lage sind, unseren Schülerinnen und Schülern regelmäßig eine Mahlzeit bereitzustellen. (…) Seitdem die Vereinigten Staaten beschlossen haben ihre Unterstützung für NGOs einzustellen, ist es uns zudem unmöglich geworden dort Lebensmittel für die Schüler zu erhalten. (…).

Neben der Vermittlung von Bildung ist unsere Schule auch ein Orientierungspunkt, ein Ort, an dem die Kinder sich sicher fühlen. Zu sehen, wie sich ihre Ernährungssituation verschlechtert, berührt uns tief und stellt uns in unserer Aufgabe der ganzheitlichen Begleitung vor große Herausforderungen.

Es ist wichtig, dass ihr über diese Entwicklungen informiert seid, damit ihr das Ausmaß der Herausforderungen vollständig erfassen könnt, denen unsere Gemeinschaft seit diesen aufeinanderfolgenden Ereignissen gegenübersteht. Dieser Brief ist ein ehrliches Zeugnis der Realität, wie wir sie täglich erleben, mit all unseren Sorgen und all unseren Unmöglichkeiten.

In der Hoffnung, dass Gott euch führt und stets für euch sorgt, senden wir euch unsere herzlichsten Grüße und unseren Dank für euer Engagement an unserer Seite.

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Kurzfristige Reis-Lieferung möglich

Nach diesem leider ernüchternden Bericht aus Meyer hatte
Anneliese Ende November kurzfristig doch die Möglichkeit, Reis zu beschaffen. Die Preise sind noch immer sehr hoch, doch durch Ihre und Eure Spenden ist die Schulspeisung so für die kommenden 12 Wochen sichergestellt. Wir danken von Herzen!

Das Haiti-Projekt hat in den vielen Jahrzehnten seines Bestehens schon viele schwierige Phasen durchgemacht. Gemeinsam mit Ihrer und Eurer Hilfe werden wir auch die gegenwärtige Situation meistern!

Wir wünschen allen eine gute Adventszeit und ein frohes Weihnachtsfest. Kommen Sie anschließend gut ins neue Jahr und behalten Sie die Menschen aus Haiti in Kopf und Herzen!

Viele – trotz allem hoffnungsvolle – Grüße sendet Ihnen

Thomas Wiedmann
1. Vorsitzender

Text & Redaktion: Janina Lea Gutmann