Rundbrief Dezember 2025
Liebe Leserinnen und Leser,
Liebe Haiti-Freunde,
„verheerend“, „zerstörerisch“, „historisch“ – Sie und ihr alle habt die Nachrichten zu dem Hurrikan, der Ende Oktober in der Karibik an Land traf, sicher verfolgt. Als Hurrikan der höchsten Gefahrenstufe 5 gilt er als einer der stärksten jemals im Atlantik gemessenen Wirbelstürme.
Auch in Haiti hat er viel Zerstörung hinterlassen, landesweit starben über 30 Menschen.
Das Zentrum der Zerstörung lag diesmal – anders, als bei den Katastrophen der vergangenen Jahre – mit Petit-Goâve gar nicht so weit von Meyer entfernt. Glücklicherweise gab es dort keine Todesopfer zu beklagen. Doch von den unmittelbaren Auswirkungen für die Menschen in und um Meyer und auch für die Schüler:innen der ECODEM berichtet deren Leiter Silien Blindy mit einem Brief vom 19. November, den wir hier in Auszügen abdrucken.
Rundbrief Mai 2025
Liebe Leserinnen und Leser,
Liebe Haiti-Freunde,
trotz der oft schlechten Nachrichten aus Haiti geht das Leben in und um Meyer seinen Gang – es muss ja auch. Zudem ist Meyer in den Bergen noch ausreichend weit von der Hauptstadt entfernt, sodass die Probleme eher mittelbar zu spüren sind: Durch Versorgungsengpässe, durch Preissteigerungen und durch persönliche Unsicherheit für die Lehrer, die aus der Hauptstadt anreisen. Silien Blindy, der Leiter der ECODEM, hat sich Ende März mit einem Bericht gemeldet. Darin wird deutlich, wie wichtig die Schule und die Stabilität, die sie in der Region bietet, für die Menschen, insbesondere die Kinder, ist.
Er erzählt von Esther und ihren beiden Geschwistern, die aus dem Großraum Port-au-Prince vor den Banditen fliehen mussten und schließlich – ohne ihre Eltern – bei ihren Großeltern in Meyer Schutz fanden:
WeiterlesenRundbrief Dezember 2024
Liebe Leserinnen und Leser,
Liebe Haiti-Freunde,
das Jahr neigt sich dem Ende zu. Politisch hat sich in Haiti zwar einiges getan – Premierminister Ariel Henry wurde im April 2024 von einem Übergangsrat abgelöst, der die jahrelang verzögerten Wahlen in Haiti organisieren soll.
Doch für die Bevölkerung hat sich wenig geändert – die Bandengewalt grassiert nach wie vor nahezu ohne Einschränkung, es gibt zahlreiche traurige Rekorde, was die Zahl der Toten und Vertriebenen angeht. Die kenianische Schutztruppe, die von der UN autorisiert wurde und die lokale haitianische Polizei unterstützen soll, ist inzwischen im Land, jedoch nur mit wenigen hundert Mann. Ihre Wirksamkeit und ihre Erfolgsaussichten sind auch unter Haitianer:innen umstritten.
Welche Auswirkungen die Wahl von Donald Trump auf Haiti
haben wird, ist noch nicht absehbar. Doch es ist sehr wahrscheinlich, dass es keine guten sind.
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35 Jahre ECODEM
Dieses Jahr wurde ECODEM 35 Jahre alt. Schulleiter Silien Blindy hat im Juni zu diesem Anlass einen Bericht verfasst, der ebenfalls hier auf der Homepage veröffentlicht ist.
Hier werfen wir noch einmal einen Blick auf die Anfänge des Schulprojekts, der zeigt, wie viel in 35 Jahren erreicht wurde. Zum Beispiel auf dem Bau. Trotz herber Rückschläge, wie z.B. dem verheerenden Erdbeben 2010, entstanden hier nach und nach die heutigen mehrstöckigen Schulgebäude.
WeiterlesenBericht aus Haiti: Gewalt und Vertreibung
Silien Blindy, Leiter der Schule ECODEM, hat einen Bericht verfasst, wie er die Lage in Haiti zurzeit wahrnimmt.
Liebe Freunde!
Ich grüße Sie im kostbaren Namen unseres Herrn und Erlösers Jesus Christus. Ich möchte auch die Gelegenheit nutzen, um Ihnen mitzuteilen, dass Gott uns immer wieder hierher führt und uns beschützt, trotz des Chaos, das durch die bewaffneten Banden verursacht wird, die unter der Bevölkerung wüten und, bereits seit mehreren Jahren, Tausende von Menschen vertreiben.
Um Ihnen eine Vorstellung vom Ausmaß der Katastrophe zu vermitteln, möchte ich Ihnen, ohne Ihre Zeit zu beanspruchen, eine wahre Begebenheit erzählen, wie sie sich nun fast jeden Tag im Land abspielt.
Ein Beispiel dafür ist die Stadt Gressier, die etwa 30 km von der Hauptstadt entfernt liegt.
Weiterlesen35 Jahre ECODEM
Anlässlich des 35-jährigen Bestehens der ECODEM hat Schulleiter Silien Blindy einen Text verfasst, in dem er die bisherigen Leistungen der Schule in den Blick nimmt, die mit einer Erfolgsquote von 85% in den Abschlussklassen zur einer der zehn besten Schulen des Schulbezirks gehört. Auch ganz persönlich berichtet er von seinem Kindheitstraum, einmal an dieser Schule zu lernen, deren Leiter er inzwischen geworden ist. Auch wenn die Zukunft noch viele Herausforderungen bereit hält, ist er sich sicher, dass die ECODEM diesen gewachsen ist. Seinen Bericht können Sie hier weiterlesen:
WeiterlesenRundbrief April 2024
Liebe Leserinnen und Leser,
Liebe Haiti-Freunde,
die Ereignisse überschlagen sich und Haiti ist zurzeit in unseren Nachrichten allgegenwärtig. Von der schon länger geplanten kenianischen Polizeimission über den Zusammenschluss ehemals konkurrierender Banden bis hin zu Ariel Henrys erzwungenem Rücktritt gibt es zurzeit fast täglich Neuigkeiten, aber selten Gute. Wie wenig Rückhalt Henry hat, wird gerade daran deutlich, dass er nicht mehr in sein eigenes Land einreisen kann. Dass ihm inzwischen kaum jemand mehr traut, die politische Krise zu lösen, liegt auch daran, dass er seit inzwischen fast drei Jahren die mehrfach versprochenen Neuwahlen verschleppt.
Die gegenwärtige Situation in Haiti hat viele Faktoren und viele haben mit der Kolonialzeit und den Interessen globaler Player wie z.B. den USA und Frankreich zu tun – davon wird nun auch häufiger berichtet. Die Geschichte der internationalen Einmischung ist lang und unrühmlich, das herausragendste Beispiel der jüngeren Vergangenheit ist die verheerende Cholera-Epidemie, die UN-Blauhelmsoldaten 2010 im Land auslösten. Auch jetzt warnen Expert:innen davor, dem Karibikstaat eine Lösung quasi von außen überzustülpen. Viele Beiträge, Interviews und Hintergrundinfos finden sich z.B. auf Tagesschau oder der Deutschen Welle.
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Neues von Anneliese
Doch wie geht es Anneliese in diesem Chaos?
WeiterlesenRundbrief Dezember 2023
Liebe Leserinnen und Leser,
Liebe Haiti-Freunde,
das Jahr neigt sich dem Ende zu. Anneliese hat uns ein paar Zeilen geschrieben über das momentane Geschehen in Haiti und welche Auswirkungen es auf die Arbeit in der Schule hat.
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Bericht von Anneliese
„Die Banditen schießen wie Pilze aus dem Boden. Port-au-Prince wird jetzt schon seit Jahren von ihnen beherrscht. Die Südverbindungen sind unter Dauerkontrolle und Transporte gleichen einer Lotterie: entweder man gewinnt und darf passieren oder man verliert und der Lastwagen wird geplündert.
Bei meinem letzten Einkauf – dem ersten nach 15 Monaten – fragte ich die Geschäftsfrau, wie sie an die Ware kommt. Sie meinte sie müsse den Lastwagenfahrern riesige Summen bezahlen, damit sie über kaum befahrbare Straßen und Umwege die Ware liefern. Dementsprechend ist vieles fast unbezahlbar geworden. Kostete früher mein Einkauf 7000- 8000 haitianische Dollar (h$) musste ich diese mal 20.000 h$ bezahlen.
Die nächstgrößere Stadt bei uns in der Nähe, Carrefour, ist bisher einigermaßen verschont gewesen. Von dort kommen einige Lehrer aus unserer Schule. Nun lassen auch dort Banden ihre Muskeln spielen. Viele Familien flüchten und wir nehmen täglich Kinder in unsere Schule auf.
WeiterlesenHuman Rights Watch Video zur Situation in Haiti
Zusammen mit dem im letzten Rundbrief erwähnten Bericht von Human Rights Watch vom 14. August ist ein (englischsprachiges) Video erschienen, das die aktuelle Situation im Land, speziell in und um die Hauptstadt Port-au-Prince, beschreibt. Es ist auf youtube abrufbar.
Rundbrief August 2023
Liebe Leserinnen und Leser,
Liebe Haiti-Freunde,
der Sommer ist aktuell ziemlich verregnet und sicher bedauern viele die ins Wasser gefallenen Ferien. Auch in Haiti macht der Regen seit einigen Wochen zunehmend Probleme.
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Die Lage in Meyer
Seit Ende Mai und noch bis November ist in Haiti Wirbelsturmsaison. Bisher hat Anneliese von viel Wind und Regen berichtet. Es gab auch Überschwemmungen, besonders verheerend waren sie Anfang Juni in der Hauptstadt und in der weiter westlich gelegenen Hafenstadt Leogane (auch die Tagesschau berichtete). Bei Anneliese selbst waren die Schäden nicht so schlimm, da Meyer in den Bergen liegt und das Wasser abfließen kann. Doch vom Hochwasser Betroffene kennt auch dort jeder: Eine Bekannte von Anneliese verlor bei den Überschwemmungen in Leogane ihren Ehemann. Auch einige Lehrerinnen und Lehrer der ECODEM, die mit ihren Familien in anderen Gebieten wohnen, waren betroffen. Ihr Hab und Gut wurde in den Wassermassen zerstört. Unter diesen meteorologischen Voraussetzungen ist auch die Ernte wieder dauerhaft in Gefahr, wie Anneliese berichtet:
WeiterlesenRundbrief April 2023
Liebe Haiti-Freunde,
wie im letzten Rundbrief versprochen, wird heute das Montana-Abkommen kurz vorgestellt:
Das Abkommen wurde Ende August 2021 im namengebenden Hotel Montana in Haiti unterschrieben. Es ist ein Versuch, dem Land zu einem politischen Neuanfang zu verhelfen. Daran beteiligt waren viele zivilgesellschaftliche Organisationen, Parteien und politische Gruppen, in der Hoffnung, dass die Ergebnisse von einer breiten Mehrheit im Land anerkannt und getragen werden.
Der Plan war, zunächst einen Nationalen Übergangsrat zu gründen, der 2022 dann eine Übergangsregierung mit zweijähriger Amtszeit wählt. Diese sollte für das Jahr 2024 freie und faire Neuwahlen organisieren. So sollte das unerträgliche politische Patt beendet werden, in dem sich das Land seit der Ermordung Jovenel Moïses im Juli 2021 befindet und in dem die großen politischen Lager den jeweils anderen jede Legitimität absprechen.
Doch natürlich gibt es, wie immer, auch hier zwei Seiten: Die, die das Abkommen hoffnungsvoll befürworten und die, die es vehement ablehnen. Annelieses Mitarbeiter Silien Blindy hat einen detaillierten Abriss über die Entstehung und die Inhalte des Abkommens geschrieben. Er fasst zusammen:
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